Umweltwoche am Marianum seit 1999

 

 

Der Schöpfung auf der Spur

 

Naturerlebniswoche in Benediktbeuern

 

 

Fast ehrfurchtsvoll stehen die Mädchen und Jungen der 6. Jahrgangsstufe des Marianums Buxheim in einem großen Halbkreis um die Stelle, an der Manfred Buchner (freier Mitarbeiter des Zentrums für Umwelt und Kultur in Benediktbeuern, Diplomgeograph und Botaniker) einen übermannshohen Stock mit offensichtlicher Leichtigkeit in den Moorboden steckt, bis nur noch wenige Zentimeter aus dem Moor herausragen. Als „Manni“ (so dürfen ihn die Kinder nennen) dann noch zu verstehen gibt, dass die Spitze des Stocks nun eine „Reise“ durch zwei Jahrtausende hinter sich habe, da ist etwas von dem bei den Kindern angekommen, was die Faszination eines Moores ausmacht. Und da ist etwas von dem verwirklicht, was Manfred Buchner als wichtiges Ziel seiner Arbeit sieht. Die Kinder sollen „in der Natur Spaß haben“ und „dabei lernen, ohne es überhaupt zu bemerken“. Dies sei der richtige Weg, wie Kinder lernen können, „die Natur als etwas Wertvolles und Erhaltenswertes zu begreifen.“

23 - bergwald - reflexion

Damit ist klar, Manfred Buchner „passt“ in das Konzept des ZUK (Zentrum für Umwelt und Kultur) in Benediktbeuern, das sich schon lange der Umweltbildung von Kindern und Jugendlichen verschrieben hat, einer Bildung allerdings, die nicht aus dem Lehrbuch kommt oder ihre Ziele mit erhobenem Zeigefinger zu erreichen versucht, sondern die alle Sinne an­spricht und emotional berührt. Nur so, dies ist auch unsere persönliche Überzeugung, können gerade Kinder und Jugendliche, die vielleicht noch keine echte Chance hatten, einen lebendigen Zugang zur Schöpfung zu finden und teilweise in den virtuellen Welten unseres Computerzeitalters regelrecht gefangen zu sein scheinen, für die Natur begeistert werden. Und nur Begeisterte werden sich für die Bewahrung der Schöpfung einsetzen und stark machen.

 

Unsere Schule entdeckte 1999 das Angebot von Naturerlebniswochen des ZUK. Wir waren damals auf der Suche nach einem Angebot für die Schülerinnen und Schüler des naturwissenschaftlichen Zweiges der 9. und 10. Jahrgangsstufe, die nicht in den Genuss unseres Schüleraustauschs mit einer französischen Salesianer-Schule in St. Dizier kommen konnten. Da uns die Umweltbildung immer schon ein wichtiges Anliegen war, das wir u. a. in der Form eines Wahlkurses in „Geoökologie und Umweltschutz“ umzusetzen versuchten, führte uns sozusagen ein logischer Weg in die „Arme“ des ZUK: Ein Weg, den beschritten zu haben, wir nie bereuten.

 

Als nach der Einführung des G8 unser Wahlangebot in der ganzheitlichen Umwelterziehung praktisch nicht mehr wahrgenommen wurde, beschlossen wir die Umweltwoche als Klassenfahrt der gesamten 6. Jahrgangsstufe festzuschreiben, um auf diese Weise unserem Bildungsauftrag der „Bewahrung der Schöpfung“ nachzukommen. Wir tun dies im Rahmen der Naturerlebniswoche sogar in besonderer Weise, indem wir den als Typikum unserer kirchlichen Schule obligatorischen Besinnungstag in die Woche integrieren und bewusst unter das Schöpfungsthema stellen. Dieses Konzept entstand in Absprache mit P. Erhard Staufer SDB, der an unserer Schule für die Schulpastoral verantwortlich zeichnet. So wird unser vernetztes Angebot von zwei Seiten getragen, von der Fachschaft Erdkunde und den Salesianern Don Boscos, die über den Betrieb des Tagesheims und des Internats hinaus sozusagen auch der spirituelle „Wind in den Segeln“ unserer Schule sind.

 

Die Umsetzung dieses dualen Konzepts gestaltete sich vor Ort (von organisatorischen Hürden abgesehen) unkompliziert, da wir sowohl beim ZUK als auch bei dessen Referenten auf große Offenheit stießen. Noch einmal sei hier Manfred Buchner hervorgehoben, der den Besinnungstag im Bergwald von Kochel, den ich im letzten Jahr (Anmerkung des Verfassers) selbst miterleben durfte, zu einem wahren Fest der Sinne werden ließ, getreu seiner Überzeugung, dass der Kerngedanke der Bewahrung der Schöpfung am besten zu vermitteln ist „mit Spaß und Phantasie, spielerisch und in Form von Geschichten, mit allen Sinnen und Emotionen“. Es ist diesem Mann anzumerken, dass das, was er tut, mehr Berufung denn Beruf ist. Seine Berufsfindung beschreibt er dann auch so: „Gegen Ende meines Studiums […] machte ich ein Praktikum beim Zentrum für Umwelt und Kultur in Benediktbeuern, das damals noch in den Kinderschuhen steckte. Für das ZUK war mein Praktikum fachlich eine Bereicherung, für mich insofern, als ich danach wusste, was mein Traumjob war.“

 

Auch wenn es immer wieder vorkommt, dass Kinder sich nicht oder nur schwer erreichen lassen und sich nicht auf das Angebot ganzheitlicher Naturerfahrung einlassen können oder wollen, so ist die Resonanz doch überwiegend positiv. Und dabei scheint die Art der Unternehmungen unwesentlich zu sein. Denn, ob es darum geht, die Lebewelt des Tümpels unter dem Mikroskop zu betrachten, mit beiden Beinen nicht fest auf dem Boden zu stehen, sondern im Moor zu stecken, mit einem Floß über einen Moorweiher zu fahren (was beim Steuern auch noch ein gehöriges Maß an Sozialkompetenz erfordert), unter einem Wasserfall zu baden, durch den herbstlichen Bergwald zu wandern, einen Tag am Wildbach zu erleben, eine (taschenlampenfreie) Nachtwanderung zu unternehmen oder gemeinsam Papier zu schöpfen: Alle diese Angebote wurden immer wieder mit Begeisterung angenommen.


Es soll auch nicht unerwähnt bleiben, dass das Domizil der Woche, die von Don-Bosco-Schwestern geführte Jugendherberge Miriam unter der Leitung von Sr. Anna Behringer, durch ihre betont persönliche und äußerst warme Atmosphäre immer ihren Teil zum Gelingen des Unternehmens beigetragen hat.


Da bei unserer Naturerlebniswoche – bei allem gedanklichen „Überbau“ – naturgemäß das Erleben der Kinder im Vordergrund steht, sollen diese auch abschließend zu Wort kommen. Einer Art Foto-Tagebuch, das Schülerinnen einer unserer 6. Klassen im Oktober dieses Jahres (2008) während ihres Aufenthalts in Benediktbeuern gestalteten, sind folgende Zitate entnommen:


Zusammen erleben wir jeden Tag etwas Neues.

  • Faszinierendes gibt es nicht nur in Filmen, auch in der Natur.
  • von Millionen Blättern ein einziges, ein besonderes, ein einzigartiges Als wir die Bergwanderung gemacht haben, hat mich der Wasserfall am meisten beein­druckt. Dieses Bild werde ich nicht mehr vergessen.
  • Mit Moor kann man Spaß haben.

 

Mit Klassen, die sich auf die Naturerlebniswoche einlassen, macht es auch uns, den Organisatoren, Spaß und Freude, zumal in der Zusammenarbeit mit kompetenten Referenten, die auch durch ihren persönlichen Lebensstil überzeugen, vor Ort einen respektvollen Umgang mit der Natur vorleben und anmahnen, aber dennoch in Sachen Umgang mit der Schöpfung keinen demotivierenden Forderungskatalog aufstellen. „Sein Verhalten in der Natur und im Alltag muss … jeder selber überdenken“, so Manfred Buchner. Gelegenheit dazu gibt es genügend während der Naturerlebniswoche in Benediktbeuern.

 

Ute-Regina Zetzen u. Josef Förschner

 

Fachschaft Erdkunde, Organisationsteam der Benediktbeurer Naturerlebniswoche

 

Veröffentlicht in: Kontakt - Informationen zum Religionsunterricht im Bistum Augsburg, Heft 2, 2008

 

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